Acapulco finito
Die letzte Nacht im Hotelbett. Ein letztes Mal Yoga. Ein letztes Mal zischt die Diet Coke-Dose der Mitbewohnerin. Ein letztes Mal Limetten schneiden. Kofferpacken. Feuchte Badesachen in die Ritzen stopfen, und Loslassen. Der Blick vom sechsten Stock hinunter ins Atrium hat schon etwas Fremdes angenommen. Hunderte von Teilnehmern einer neuen Konferenz sind eingetroffen, und wie sich dazwischen die Bikram-Gruppe mit ihren Koffern und Taschen drängen, um nach und nach in den Flughafen-Shuttle zu steigen, erzeugt Melancholie; Umarmungen, Tränen, Glückwünsche und Erfolgswünsche tauchen die Erinnerung an Gewusel, Gequake und Gruppenphobie schon jetzt in weiches Licht. Beim Feiern zeigten sich die Leute – bei aller Überkompensation – erstmals in natürlichem Verhalten, statt im Zehenstand oder beim Stammeln von Dialog vor dem Tribunal, und manche waren plötzlich nochmal anders sympathisch. Dass selbst diejenigen, mit denen man neun Wochen lang kein Wort gewechselt hat, beim Endspurt plötzlich redselig werden, gehört wohl zu den Gesetzen der Gruppendynamik. Auch wenn man es manchmal aus dem Blick verlor: diese zermürbende wie erhebende Yoga-Erfahrung verbindet. Interessant wird es, wenn man den einen oder anderen irgendwann in irgendeinem Yogastudio als Lehrer wiedertrifft, oder in seinem eigenen begrüßt. Während manche in ihr altes Leben, in alte Jobs zurückfahren, haben andere Häuser verkauft, Jobs aufgeben und gehen jetzt auf Reisen, um irgendwo in der Welt zu unterrichten; auch das ermöglicht die Bikram-Community. Ein Londoner überlegt, das Yoga zurück nach Indien zu tragen und ein Studio in Goa zu eröffnen.
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