„Euphorie“, mal schnell gegoogelt,
- bezeichnet eine subjektive, temporäre Gemütsverfassung mit allgemeiner Hochstimmung, gehobenem Lebensgefühl, verminderten Hemmungen.
- abgeleitet von gr. „euphoros“ „gesund“, welches sich aus „eu“ „gut“ und „phrein“ „(er)tragen(d)“ [!] zusammensetzt.
- biologisch durch den Botenstoff Dopamin ausgelöst.
- bedingt durch Drogen, Arzneimittel, Alkohol, extreme körperliche Leistungen, überstandene Extremsituationen.
Drogen, Alkohol und Arzneimittel fallen (weitestgehend) schon mal weg. Dann müssen es wohl doch Leistung und Extremsituation gewesen sein, weswegen der Absturz in der Wirklichkeit, Flughafen Frankfurt am Main, Montag den 9. Juni gegen halb vier nachmittags, erwartbar gewesen war, und eintraf. So bittersüß wie die Vertreibung aus dem Traningsparadies gestaltete sich also die Rückkehr in das sogenannte ‚alte Leben’, trotz des Umstands, nun als Inderin wiedergeboren zu sein und mit einem unpedikürten Fuß in Bikrams vielzitiertem Zustand des „cosmic consciousness“ zu stehen. Wovon zunächst wenig zu spüren war nach der beinahe 24-stündigen Rückreise. In Wahrheit waren da vor allem ein Frosch im Hals, ein zugeschnürter Magen und alle weiteren Unbehaglichkeitsklischees zu spüren, und dazu noch das Gefühl, zwar zertifiziert, aber völlig unqualifiziert zu sein und in diesem zweifelhaften Zustand sehr bald schon vor eine Klasse treten zu müssen. Sie „in die Übung rein, und aus der Übung rausbringen“ zu müssen. Den Erwartungen des heimatlichen Yogastudios gerecht werden zu müssen. Und auf schlabbrige Tortillas in roter Soße zum Frühstück verzichten zu müssen. Gruselig.
Es war, als wenn wir zwei Monate lang Kaufmannsladen gespielt hätten, um am nächsten Morgen an der Wall Street anzufangen.
Wenigstens konnte Deutschland sommerliche Temperaturen vorweisen. Nichtsdestoweniger wirkte die Wirklichkeit unwirtlich, verschwommen, unwirklich, und irgendwie frustrierend. Schon aus der Luft zeitigte der Anblick der landschaftlichen Reinlichkeit und geschrubbten Autobahnen weniger Wiedersehensfreude als Gereiztheit und die Sehnsucht nach sofortiger Schubumkehr in Richtung des bunt verschachtelten und rätselhaften Stadtteppichs von Mexiko City, aus der Luft wie ein riesiger, gesprengter Zauberwürfel.
Wieso eigentlich? Waren wir nicht alle froh, dass es vorbei war? Dass wir die neunwöchige Marter überstanden hatten? Dass wir vermutlich nie wieder in dieser Form gegängelt werden würden? Dass wir uns nie wieder, es sei denn freiwillig, die Nächte mit Bikram um die Ohren schlagen müssten, um am nächsten Morgen um acht mit 300 Leuten in einem überheizten Yogaraum strammzustehen?
Wieso haben dann eigentlich so viele beim Abschied Tränen vergossen?
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