Kennen wir uns?
Es verfolgt einen, dieses Training. Es dackelt hinterher wie der Pudel dem Faust. Als hätte man die Taschen voller Frolics. Bei jedem flüchtigen Blick in jede Berliner Menschenmenge tauchen Körperformen, komische Hosen, ein Rückentattoo aus dem Training auf. Dé-ja-vus, wohin das Auge reicht. Als wären einem dreihundert willkürliche Personen als Ur-Prägung ins Gehirn gestempelt worden, auf deren Merkmale hin man fortan zwanghaft sämtliche wildfremden Personen überprüfen müsste. Man kommt sich vor wie sein eigener Beamter hinter dem eigenen Pass- und Sichtvermerksschalter. Oder wie eine paranoide Schwimmmeisterin am Beckenrand des Gen-Pools „Acapulco Frühjahr 2008“.
Dass Leute unter Palmen liegen und es trotzdem schlimm haben können, beweisen Ereignisse wie Kriege und Tsunamis. Kriegsverherrlichung kommt in den besten Welten vor, was wiederum Feldzüge von Naturkatastrophen unterscheidet. Ach herrlich, der Hurrikan ‚Hola’! Hat er die Dörfer platt gemacht! Und Tausende zu Krüppeln und Waisen! Da hatte eben noch alles seine Unordnung! Dem Teacher Training – diesem Zwischending aus Bootcamp und Im-Auge-des-Sturms-sein – aber nun tatsächlich ein bisschen, wenn nicht „nachzutrauen“, dann vielleicht „im Nachhinein etwas abzugewinnen“, befriedigt und beunruhigt zugleich. Fällt das unter retroaktives Stockholm Syndrom? Oder Masochismus?
Selbst die glubschäugigste Texanerin hat ihren Schatten hinterlassen, und ihr Quaken hallt nach. Busenwunder, Schirmmützen, Eimer, die chronisch knappen Zeitfenster und Verzweiflungstaten wie Kleiderkäufe bei WalMart verfolgen einen ebenso hautnah wie Bikrams Heilsversprechen „Now nothing can steal your peace of mind“. Das, mein Lieber, wollen wir erst mal sehen. Er scheint bis in die Lungenspitzen des Seins zu reichen, der Dunst jener durchgetakteten Yoga-Welt, die einer deutschen Behörde alle Ehre machen würde. Was bestimmt an den indogermanischen Wurzeln liegt. Zugegeben, die Mechanismen zu sehen und sich klagend darüber auszulassen, um sie im Anschluss in ihrer Summe als etwas Großes, Gelungenes und Rätselhaftes zu verklären, macht die Apotheose dieses Zehntausenddollar-Cluburlaubs kaum vertretbarer.
Beim Besuch von Mandy* damals in der vierten Trainingswoche sickerten für wenige Tage die wirkliche Welt und einige heimliche Gläser Sekt auf Eis in die Yogablase ein. Wenn umgekehrt die Geister aus der Blase auftauchen, dann entweder in Form von E-mails, oder aber in leibhaftiger Gestalt der schweizer Flugbegleiterin S., die anlässlich eines Stopovers mit Schokolade, ihrer Co-Pilotin und den Yogasachen im Studio auftauchte, um Samstagsmittag mitzuturnen. Wieder einmal ging mir auf, dass man Dinge aus der surrealen Welt in die vermeintlich reale getrost mit offenen Augen überfließen lassen kann. Man kann ja auch einen zerlaufenen Camembert von Edeka auf ein Gemälde von Dali applizieren. Nur Mut. Dass dabei womöglich die Alarmanlage losgeht, liegt einfach nur in der Natur der Dinge.
* Name von der Redaktion geändert.
One Comment
- Army Shop replied:
Army Shop…
Die Empfehlung dieser Seite war ein wirklich erstklassiger Tip meiner Bekannten (-: Mille Grazie Moni! Habe die Ausfuehrungen hier mit Hochgenuss gelesen und werde die Seite auf jeden Fall weiterempfehlen (-:…
March 10th, 2010 at 5:19 pm. Permalink.